Diesjähriger Bericht der ECDC und der WHO/Euro: Europa auf gutem Weg, aber noch viel zu tun
Die WHO-Regionalstelle für Europa und der ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) veröffentlichten zum Tuberkulosetag am 23.03.2026 ihren jährlichen gemeinsamen Tuberkulose-Bericht mit Daten zur epidemiologischen Entwicklung im Jahr 2024.
Der Bericht zeigt, dass die Europäische Region bei der Bekämpfung der Tuberkulose gute Erfolge verzeichnet, aber noch hinter den End-TB-Zielen der WHO zurückbleibt.
Es werden die Europäische Region der WHO, zu der die 53 Länder in Europa und Zentralasiens inklusive Russland gehören, sowie die 30 Länder der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EU/EAA) separat und in Verbindung betrachtet.
Europäische Union und Europäischer Wirtschaftsraum (EU/EAA):
Im Jahr 2024 wurden der EU/EEA 38.249 TB‑Fälle aus allen 30 Ländern gemeldet, was einer Inzidenz von 8,4 pro 100 000 Einwohner entspricht. Die TB-Gesamtfälle nahmen seit 2015 um 33 % und die Todesfälle um 17 % ab.
Wie schon in den Jahren zuvor bestehen in der EU/EEA weiterhin große Defizite in der Erfassung der Behandlungsergebnisse. Jede fünfte Person (22%), die eine TB‑Behandlung beginnt, kann nicht bis zum Ende der Behandlung nachverfolgt werden.
In der EU/EEA bleibt der Anteil der Patient*innen mit Rifampicin‑ oder multiresistenter TB (RR/MDR-TB) weiterhin niedrig bei durchschnittlich 3,5 % der gemeldeten TB‑Fälle (817 Fälle). Der Behandlungserfolg ist jedoch unzureichend. Von 736 im Jahr 2022 gemeldeten RR/MDR-TB-Fällen, deren Behandlungsergebnis im Jahr 2024 dokumentiert wurde, wurden nur 56 % erfolgreich behandelt, 13 % verstarben, bei 5,7 % trat ein Behandlungsversagen auf und 7,2 % gingen für die Nachbeobachtung verloren. Im Vergleich zu 2022 konnte zwar eine Erhöhung der Therapieerfolgsrate von 52 % auf 56 % erreicht werden, trotzdem wären bessere Therapieergebnisse wünschenswert. Es wurden drei Fälle von extensiv resistenter TB (XDR-TB) in der EU/EEA gemeldet, die alle tödlich endeten.
Europäische Region der WHO:
Wenn man die Daten der gesamten Europäischen Region der WHO (inklusive Russland) betrachtet, zeigt sich ein anderes Bild. Aufgrund unzureichender Meldedaten werden die tatsächlichen TB-Erkrankungsfälle von der ECDC und der WHO geschätzt. Im Jahr 2024 erkrankten demnach schätzungsweise rund 204.000 Menschen an TB, was einer Inzidenz von 22 Fällen pro 100.000 Einwohner entspricht. Offiziell gemeldet wurden im Jahr 2024 aber insgesamt nur 161.569 neu diagnostizierte TB‑Fälle (Inzidenz 17,2 Fällen pro 100 000 Personen) in 51 der 53 Länder der Region. Somit wurde mutmaßlich jeder 5. Fall nicht gemeldet und bleibt damit unentdeckt.
Obwohl die geschätzte TB-Inzidenz in der Europäische Region von 2015 bis 2024 um 39 % und die Zahl der Todesfälle um 49 % gesunken ist, liegen beide Werte weiterhin deutlich unter den Zielvorgaben der End‑TB‑Strategie. Das geplante Ziel der WHO, bis 2030 eine Verringerung der TB-Fälle in der Europäische Region der WHO um 80% zu erreichen, ist eine große Herausforderung.
Ein weiteres Problem in der Europäische Region stellt der hohe Anteil an medikamentenresistenten Tb-Fällen dar. Im Jahr 2024 wurde die Anzahl der Menschen, die in der Europäische Region an RR/MDR-TB erkrankten, auf 55.000 geschätzt.
Das sind 23 % der neuen und 51 % der zuvor behandelten Fälle. Weltweit wird bei nur 3,2 % der neuen und 16% der vorbehandelten Fälle eine RR/MDR nachgewiesen. Der Anteil von RR/MDR-TB unter den Tuberkulosefällen in der Europäischen Region übersteigt den globalen Durchschnitt somit deutlich.
Die Therapieerfolgsrate in der Europäischen Region liegt ebenfalls unter den WHO‑Zielen. Sie betrug im Jahr 2024 bei allen neu diagnostizierten Fällen 74 %. Hier zeigte sich immerhin jedoch eine deutliche Verbesserung der Erfolgsrate, die 2021 noch bei 60% lag. Bei der prä‑extensiv resistenten TB (prä XDR) wurde ein Therapieerfolg nur bei 52 % der Erkrankten gemeldet. Die Sterblichkeit betrug 13 % bei RR/MDR-TB bzw. 11 % bei prä XDR.
Den gesamten Bericht können Sie hier lesen >>
Zusammenfassung und Kommentar:
Erfreulicherweise gibt es einen deutlichen Rückgang der TB-Fälle seit 2015 in der EU/EAA. Dennoch werden die geplanten Meilensteine der WHO auf dem Weg zur Eliminierung der TB nicht erreicht. Der hohe Anteil an RR/MDR-TB in der Europäischen Region bleibt weiterhin eine Herausforderung. Auch wenn die Behandlungserfolge besser werden, ist der Anteil der nicht erfolgreichen Therapien und Todesfälle immer noch zu hoch.

