Gemeinsam gegen Stigmatisierung: Workshop zur Kommunikation über Tuberkulose und Migration in Berlin
Wie sprechen wir über Gesundheit, Migration und eine hochgradig stigmatisierte Krankheit wie Tuberkulose? Am 20. und 21. Januar 2026 fand in Berlin ein interdisziplinärer Workshop statt, um neue, faktenbasierte und wertschätzende Wege in der öffentlichen Kommunikation zu erarbeiten.
Tuberkulose (TB) ist weltweit nach wie vor die häufigste tödlich verlaufende Infektionserkrankung. In Deutschland ist TB seltener und häufig sind Menschen betroffen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden. Soziale Probleme, häufig im Zusammenhang mit Migration, machen es oft schwierig, eine vollständige Therapie über sechs Monate einzunehmen. Das Projekt No1Lost hat es sich zum Ziel gesetzt, die Rate erfolgreicher Therapieabschlüsse durch sozialmedizinische Unterstützung zu verbessern. Doch medizinische Hilfe allein reicht oft nicht aus, wenn gesellschaftliche Barrieren und Vorurteile im Weg stehen.
Narrative verändern: Weg von der Ausgrenzung
Die aktuelle Kommunikation über TB ist beispielsweise von stigmatisierenden Narrativen geprägt. Begriffe wie „Kontrolle“, „Verdacht“ oder„Bekämpfung“ spiegeln häufig ein autoritäres Verständnis wider, das Misstrauen schürt und die Verantwortung einseitig den Betroffenen zuschiebt („VictimBlaming“).
Im Rahmen des Workshops tauschten sich Expert*innen aus Medizin, Sozialwissenschaften, Journalismus und Wissenschaftskommunikation darüber aus, wie eine Kommunikation aussehen kann, die:
- faktenbasiert und näher an der Lebenswirklichkeit der Betroffenen ist,
- nicht stigmatisierend oder verletzend wirkt,
- diskriminierende und entmenschlichende Diskurse entlarvt und ihnen entgegenwirkt.
Konkrete Ergebnisse für die Praxis
Das Ziel des zweitägigen Austauschs war die Grundsteinlegung für ein Konzeptpapier in Form einer Handreichung oder eines Policy Briefs. Diese Dokumente sollen praktische Empfehlungen und Beispiele für eine verantwortungsvolle Sprache liefern.
Ein aktueller Anlass des Workshops war zudem die bevorstehende Veröffentlichung einer neuen S3- Leitlinie zur „Tuberkuloseprävention bei neu zugewanderten Menschen“, die vom DZK in Kooperationmit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und in Zusammenarbeit mit weiteren Fachgesellschaften erarbeitet wurde. Die Teilnehmer*innen diskutierten intensiv darüber, wie die öffentliche Kommunikation zu dieser Leitlinie so gestaltet werden kann, dass sie Narrative der Gesundheitsförderung anstelle von Narrativen des Risikos transportiert.
Wir danken allen Beteiligten für die wertvollen Impulse und freuen uns darauf, die Ergebnisse dieses Prozesses in Kürze zu präsentieren.

