Achtung – Lieferengpass für Ethambutol in Deutschland
In der vergangenen Woche hat ein Lieferengpass für das Medikament Ethambutol (EMB) in den Darreichungsformen 400 mg und 500 mg die Patientenversorgung erreicht. Apotheken können diese Präparate derzeit nicht mehr bestellen.
Vereinzelt sind noch Bestände der 100-mg-Dosierung verfügbar. Eine Therapie mit dieser Tablettenform würde jedoch bedeuten, dass eine unzumutbare Menge an Tabletten eingenommen werden müsste. Beispiel: Eine Person mit 70 kg Körpergewicht müsste in den ersten 2 Monaten der Standardtherapie anstelle von insgesamt 9 Tabletten täglich 17 Tabletten einnehmen. Dies erhöht die ohnehin schon hohe Tablettenlast für die Patientinnen und Patienten massiv und wird voraussichtlich zeitnah zu einem weiteren Lieferengpass führen.
Da es für Ethambutol in Deutschland aktuell nur einen Hersteller gibt, existieren auf dem nationalen Markt keine Ausweichmöglichkeiten. Derzeit werden Möglichkeiten für einen internationalen Import geprüft.
Hintergrund: EMB ist fester Bestandteil der Standardtherapie (neben Isoniazid, Rifampicin und Pyrazinamid), die seit den 1970er-Jahren etabliert ist. Es wird in der zwei Monate dauernden Initialphase (Intensivphase) eingesetzt, bevor in der Kontinuitätsphase auf Isoniazid und Rifampicin reduziert wird. Die initiale Vierfachtherapie dient vor allem der Vermeidung von Resistenzen. Eine Dreifachtherapie in der Initialphase wird aufgrund des erhöhten Resistenzrisikos von der deutschen Leitlinie in der Regel nicht empfohlen.
Weitere Informationen unter:
S2k-Leitlinien für Deutschland, Österreich, Schweiz

